Am Donnerstag den 18. Juni 2026 war der guineisch-portugiesische Schriftsteller Edson Incopté und seinen beiden Übersetzerinnen Renate Heß und Rosa Rodrigues zu Gast im WillkommensKulturHaus der Gemeinde Ottensen in der Bernadottestr. 7.

Foto: die beiden Übersetzerinnen (l.) der Autor Edson Incopté, die Organisatorin und Vorstandsmitglieder der Amilcar Cabral Gesellschaft (r.) / C. Bunk

Er las aus seinem Burch (siehe unten) eine Geschichte über eine Rattenplage, die sich für viele unsichtbar in der Stadt ausbreitete. Der in portugiesisch vorgelesene Text wurde von den beiden Übersetzerinnen übersetzt und es setzte schnell eine lebhafte Diskussion über das Thema der in Guinea Bissau gesprochenen Sprachen ein. Insgesamt gibt es in diesem Land, das keine große Fläche hat, über 30 verschiedene Volksgruppen, die viele unterschiedliche Sprachen sprechen, wie Fula und Mandigo etc. Das einzige verbindende Sprachelement ist das portugiesische Creolo, das hier weit verbreitet ist, aber auch nicht von jedem Einwohner gesprochen wird. Creolo ist eine Mischsprache, die Elemente des Portugiesischen aber auch afrikanischen Bantusprachen enthält. Ein ähnliches Creolo wird auch auf den Kapverdischen Inseln gesprochen. 


„Die Rattenplage“ und andere Geschichten aus der Anthologie „Der Pitangabaum der Nachbarin“ (Noack & Block 2025) geben beeindruckende Einblicke in das Land Guinea-Bissau und seine Literatur. Das kleine, multiethnische Land an der westafrikanischen Küste zeigt sich darin durch fünf literarische Stimmen in seiner großen kulturellen und gesellschaftlichen Vielfalt. Die Themen ihrer Erzählungen und Kurzgeschichten kreisen um Träume und frustrierte Lebenspläne, Tradition und Entwurzelung, die Schatten der Kolonialzeit und den Kampf um Freiheit. Die Veranstaltung war im im Rahmen der Altonale 2026 in Kooperation mit der Amilcar Cabral Gesellschaft und der Buchhandlung Christiansen durchgeführt worden. . 

Fünf literarische Stimmen aus Guinea-Bissau erzählen: von der provisorischen Verrücktheit des Lehrers Baltazar, 
der eines Tages nicht mehr im Gymnasium erscheint. Von Vater und Sohn, die eine Kuhherde gegen zwei grüne Heftchen tauschen,
um in Europa das große Geld zu machen. Vom Soldaten Zé Crocodilo, der sich in einen Fluss wirft, um zwei portugiesische Ärztinnen zu retten.
Von einer Freiheitskämpferin, die ihre Kameraden im Kampf gegen die Kolonialmacht mit Amuletten und Heilkräutern versorgt.
Von Martinho N’fanda, der sich entscheiden muss. Und von den verführerischen Früchten des Pitangabaums im Hof der Nachbarin,
die einfach unwiderstehlich locken … Mit großer Sensibilität nähern sich die Geschichten den Herausforderungen des Lebens.
Eins haben sie dabei alle gemein: Sie sprühen vor Lebendigkeit und Originalität.